Amazon in Bietigheim – Pro & Contra

Amazon Logisitkzentrum in Bietigheim
Bild KI-generiert

Warum diese Übersicht? Viele Bürgerinnen und Bürger haben Fragen zur geplanten Ansiedlung eines Amazon-Logistikzentrums in Bietigheim. Die Diskussion wird teilweise sehr emotional geführt. Diese Übersicht soll eine sachliche Grundlage für die eigene Meinungsbildung bieten. Wie die einzelnen Argumente gewichtet werden, bleibt jeder Bürgerin und jedem Bürger selbst überlassen.

Austausch und Diskussion

Wenn Sie sich austauschen oder eigene Argumente einbringen möchten, bieten wir die folgenden Veranstaltungen an:
👉 Offener Treff für interessierte Bürgerinnen und Bürger am 25.6.26 um 19 Uhr im Bürgerzentrum „Alter Farrenstall“ in Bietigheim.
👉 Themenstammtisch am 30.6.2026 um 19 Uhr in der Bürgerstube Muggensturm

1. Hintergrund des Projekts

Die Gemeinde Bietigheim plant gemeinsam mit Prologis und Amazon die Entwicklung eines Logistikzentrums auf einer rund 20 Hektar großen Fläche zwischen B3 und A5.
Der Verband Region Karlsruhe (VRK) unterstützt das Vorhaben grundsätzlich, knüpft seine Zustimmung jedoch an umfangreiche ökologische, verkehrliche und planerische Bedingungen.

2. Planungs- und Entscheidungsverfahren

Das Projekt durchläuft mehrere formelle Verfahren (Achtung, keine zeitliche Abfolge!):

  • Bebauungsplanverfahren der Gemeinde Bietigheim
  • Flächennutzungsplanänderung im Gemeindeverwaltungsverband Durmersheim
  • Raumordnerische Prüfung durch den Verband Region Karlsruhe- Regionalplanänderung: Rücknahme einer Grünzäsur
  • Umweltprüfung: Artenschutz, Wald, Wasser, Klima
  • Verkehrsuntersuchung
  • Beteiligung der Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange

👉 Erst nach Abschluss dieser Verfahren kann eine endgültige Entscheidung getroffen werden.

3. Charakter des Standorts: Großlager ohne Endkundenverkehr

Das geplante Logistikzentrum ist ein Großlager (Fulfillment Center).
Das bedeutet:

  • Es findet ausschließlich LKW-Verkehr für Warenzu- und -abfluss statt.
  • Von diesem Standort aus werden keine Pakete an Endkunden ausgeliefert.
  • Es gibt keine Lieferwagenflotte wie bei Amazon-Verteilzentren.
  • Der Verkehr besteht im Wesentlichen aus:
    • LKW-Verkehr
    • PKW-Verkehr der Mitarbeitenden
    • ÖPNV- und Shuttleverkehren

Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie die Art und Menge des Verkehrs beeinflusst und häufige Missverständnisse ausräumt.

4. Argumente, die für das Projekt angeführt werden

✅ Neue Arbeitsplätze
Bis zu 2.000 Arbeitsplätze in Logistik, Technik, IT, Robotik und Management.
✅ Indirekte regionale Wertschöpfung
Zusätzliche Aufträge für Handwerk, Wartung, Reinigung, Sicherheit und Zulieferer.
✅ Zusätzliche Einnahmen für die Gemeinde
Potenzielle Gewerbesteuereinnahmen und weitere kommunale Einnahmen.
✅ Infrastrukturinvestitionen
Verbesserungen bei Straßen, Verkehrsführung und technischer Infrastruktur.
✅ Verbesserte ÖPNV-Anbindung
Neue Buslinien und Shuttleverkehre können auch von Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden.
✅ Stärkung des Wirtschaftsstandorts
Ein international tätiges Unternehmen kann weitere Investitionen anziehen.
✅ Nutzung einer bereits vorbelasteten Fläche
Ehemalige Kiesabbaufläche, später aufgeforstet.
✅ Modernste ökologische Bauauflagen
Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, Photovoltaik, vollständige Versickerung, Baumpflanzungen.
✅ Keine Endkundenverkehre
Kein Kundenverkehr wie bei Einkaufszentren und kein Lieferwagenverkehr wie bei Verteilzentren.
✅ Hohe Standortbindung
Große Investitionen führen zu langfristiger Standorttreue.
✅ Raumordnerisch gesteuerte Entwicklung
Verhindert ungeplante Logistikansiedlungen an schlechter geeigneten Orten.

5. Argumente, die gegen das Projekt angeführt werden

❌ Unsicherheit über die tatsächliche Beschäftigtenzahl
Die genannten Arbeitsplatzzahlen sind Prognosen ohne rechtliche Bindung.
❌ Qualität der Arbeitsplätze
Diskussion über Anteil unbefristeter Stellen, Schichtarbeit und Leiharbeit.
❌ Unsicherheit über langfristige finanzielle Vorteile
Gewerbesteuer hängt von der Ertragskraft des Standorts ab; Grundstücksverkauf ist ein Einmaleffekt.
❌ Verlust von Waldflächen
Aufgeforstete Waldflächen müssten weichen; Verlust von CO₂-Speichern und Lebensräumen.
❌ Zusätzlicher Verkehr
B3 ist bereits belastet; zusätzliche Staus, Lärm und Luftbelastung werden befürchtet.
❌ Flächenversiegelung
Dauerhafte Versiegelung großer Flächen; Konflikt mit Klima- und Bodenschutz.
❌ Auswirkungen auf Natur und Artenvielfalt
Trotz Ausgleichsmaßnahmen mögliche Beeinträchtigungen ökologischer Strukturen.
❌ Belastungen für Nachbargemeinden
Verkehr betrifft auch umliegende Kommunen.
❌ Abhängigkeit von einem Großkonzern
Frage nach wirtschaftlicher Abhängigkeit und Förderung regionaler Unternehmen.
❌ Gesellschaftliche Kritik an Amazon
Arbeitsbedingungen, Marktstellung, Nachhaltigkeit und politische Einflussnahme.

6. Verkehrliche Rahmenbedingungen

Die tatsächliche Verkehrsbelastung hängt ab von:

  • Schichtzeiten
  • ÖPNV- und Shuttle-Nutzung
  • Verkehrsführung an B3, B36, B462 und A5
  • Maßnahmen zur Verkehrslenkung (z. B. Ampelschaltungen, Abbiegespuren)

👉 Die Verkehrsuntersuchung ist Voraussetzung für weitere Entscheidungen.

7. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

Für den Eingriff in Wald- und Bodenflächen sind umfangreiche Maßnahmen vorgesehen:

  • 14 ha Ausgleichsflächen
  • Dach- und Fassadenbegrünung
  • Photovoltaik auf Dächern, Fassaden und Parkhaus
  • vollständige Versickerung des Niederschlagswassers
  • Baumpflanzungen (z. B. 1 Baum je 800 m² Grundstücksfläche)
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas 

👉 Diese Maßnahmen sollen ökologische Auswirkungen mindern, können sie aber nicht vollständig ersetzen.

8. Regionale Bedeutung

Das Projekt betrifft auch Nachbargemeinden und wird regional diskutiert.
Die Entscheidung ist daher nicht rein lokal, sondern in die regionale Planung eingebettet.

9. Einordnung in den Onlinehandel

Online- bzw. Versandhandel existiert in Deutschland seit Jahrzehnten (z. B. Quelle, Neckermann, Otto). Logistikzentren und die Auslieferung sind ein notwendiger Bestandteil dieser Handelsform – unabhängig vom Betreiber und Zustelldienstleister.
Die Auswirkungen des Onlinehandels auf Innenstädte sind eine gesamtwirtschaftliche Debatte, die nicht durch einen einzelnen Standort entschieden wird.

10. Offene Fragen

  • Wie hoch wird die tatsächliche Verkehrsbelastung sein?
  • Wie viele der angekündigten Arbeitsplätze entstehen tatsächlich?
  • Welche finanziellen Vorteile ergeben sich langfristig?
  • Wie werden Klima-, Natur- und Artenschutzbelange berücksichtigt?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich für Nachbargemeinden?
  • Welche Alternativstandorte wurden geprüft?
  • Welche Rolle spielt die Grünzäsur im Regionalplan?

11. Fazit

Alle relevanten Fakten sollten transparent dargestellt werden.
Eine sachliche Diskussion ist wichtiger als einfache Ja-oder-Nein-Positionen.

Weiterer Austausch und Kontakt

Gerne können Sie uns persönlich anschreiben:

📧 Sabine Hettel, Bietigheim
📧 Silvia Alles, Gemeinderätin Muggensturm
📧 Michael Heger, Gemeinderat Muggensturm
📧 Michael Weber, Gemeinderat Durmersheim und GVV
📧 Karl-Heinz Steinmetz, Gemeinderat Durmersheim und GVV (Stv.)
📧 Winnie Heck, Gemeinderat Ötigheim
📧 Manuel Hummel, Kreisrat und VRK

Oder ganz allgemein an 📧hallo@gruene-suedhardt.de

Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen 💚.

Aktuelle Infos und Termine wie immer auf unserer Homepage bzw. in den Social-Media-Kanälen.

Info

Der Grüne OV Südhardt ist der gemeinsame Ortsverband für die Gemeinden Au am Rhein, Bietigheim, Durmersheim, Elchesheim-Illingen, Muggensturm, Ötigheim und Steinmauern.

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